11 Aug

Alkohol-Wegfahrsperre statt Führerscheinentzug

Die Alkohol-Wegfahrsperre als Alternative zur bisherigen Variante des Führerscheinentzugs. Neu seit 01.09.2017.

Mann bläst in Alkolock

Mobil bleiben trotz Führerscheinentzug mit der Alkohol-Wegfahrsperre

Jedes Jahr wird in Österreich zahlreichen Personen der Führerschein wegen Alkohol am Steuer entzogen. Für einige kein Hindernis, weiterzufahren: Untersuchungen zeigen, dass trotz aller Kontroll- und Strafmaßnahmen die Dunkelziffer der Wiederholungstäter und Schwarzfahrer hoch ist. Mehr als ein Viertel der Lenker mit Alkohol-Führerscheinentzug fährt auch ohne Führerschein weiter. Ausgehend von 26.000 Lenkern pro Jahr sind das rund 7.000 Personen, rund 4.000 darunter setzen sich auch wieder alkoholisiert hinters Steuer. Das sind 240 Schwarzfahrten mit alkoholisierten Lenkern in Österreich jeden Tag!

Um dieser Problematik entgegenzuwirken, gibt es seit 1. September 2017 die Möglichkeit, am Alternativen Bewährungssystem teilzunehmen und sich als alternative Möglichkeit zu einem Führerscheinentzug eine Alkohol-Wegfahrsperre, auch „Alkolock“ genannt, in den Pkw einbauen zu lassen. Die entsprechende Verordnung hierfür (Führerscheingesetz-Alternative Bewährungssystemverordnung, FSG-ABSV) wurde Anfang dieses Jahres verabschiedet.

Alkohol-Wegfahrsperre für mehr Sicherheit auf Österreichs Straßen

Mit einer in den Pkw eingebauten Alkohol-Wegfahrsperre können Betroffene, denen aufgrund eines Alkoholdelikts der Führerschein entzogen wurde, weiterhin motorisiert am Straßenverkehr teilnehmen. Das Gerät verlangt vom Lenker vor Inbetriebnahme des Pkws eine Atemprobe. Sollte der Lenker alkoholisiert sein (Wert über 0,1 Promille Blutalkoholgehalt oder 0,05 mg/l Atemalkoholgehalt), erkennt dies das Gerät und blockiert daraufhin die Zündung. Dadurch können Fahrten unter Alkoholeinfluss verhindert werden und gleichzeitig das Unfallrisiko gesenkt werden.

Auch während der Fahrt wird mittels weiterer Atemproben überprüft, ob sich der Lenker nach wie vor in einem „fahrtauglichen“ Zustand befindet. Zudem finden alle zwei Monate Mentoringgespräche mit dem Betroffenen statt, um ihn während des Programms bestmöglich zu begleiten.

Der Weg zum Alkolock

Da es sich beim Alternativen Bewährungssystem um eine rein freiwillige Maßnahme handelt, kann der Lenker nach dem Delikt selbst entscheiden, ob er daran teilnehmen möchte, oder ob er das bisherige Modell des klassischen Führerscheinentzugs wählt.

Voraussetzung für die Teilnahme am neuen Modell ist ein Führerscheinentzug von mindestens vier Monaten, das betrifft vor allem Alkoholdelikte mit mindestens 1,2 ‰ oder Wiederholungstäter. Fakt ist jedoch, dass auch beim neuen Modell der Führerscheinentzug nicht ganz entfällt. Vor dem Start des Programms und dem Einbau des Alkolocks muss nämlich die Hälfte der angeordneten Führerscheinentzugsdauer verstrichen sein sowie die begleitenden verpflichtenden Maßnahmen wie die Nachschulung, die Verkehrspsychologische Untersuchung und die amtsärztliche Untersuchung absolviert haben werden. Erst danach kann der Antrag auf Teilnahme am Alternativen Bewährungssystem gestellt und der Einbau des Geräts in das Fahrzeug veranlasst werden. Vom Programm ausgeschlossen sind jedenfalls Personen, bei denen eine Alkoholabhängigkeit vorliegt.

Einbau Alkolock? Eine Kostenfrage!

Die Kosten für die Alkohol-Wegfahrsperre sind vom Teilnehmer selbst zu tragen und hängen von der Dauer der Teilnahme am Bewährungsmodell ab. Das BMVIT (Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie) führt an, dass für den Ein- und Ausbau voraussichtlich € 300,00 als Kosten anfallen werden. Für die Teilnahme am Bewährungssystem sollen pro Tag € 7,00 verrechnet werden, inkludiert sind die Miete für das Gerät und die Mentoringgespräche.

Da man für die Zeit, in der man das Alkolock nutzt, einen eigenen Führerschein mit Code benötigt, und nach erfolgreicher Beendigung erneut ein neuer Führerschein ausgestellt werden muss, kommen darüber hinaus circa € 100,00 an administrativen Kosten für die zweimalige Ausstellung des Führerscheins hinzu.

Bisherige Variante des Führerscheinentzugs vs. Alkohol-Wegfahrsperre

Die nachfolgende Tabelle veranschaulicht den Unterschied zwischen dem neuen und dem alten System. Die Geldstrafe muss in jedem Fall entrichtet werden, auch die Absolvierung der begleitenden Maßnahmen ist obligatorisch (Nachschulung, Verkehrspsychologischen Untersuchung und amtsärztliche Untersuchung).


Delikt

Geldstrafeverpflichtende Maßnahme(n)*Variante Führerscheinentzug


Variante Alternatives Bewährungssystem

0,8 bis 1,19 Promille

€ 800 bis
€ 3.700
Verkehrscoachingsofern Entzug ≥ 4 Monate: 2 Monate Führerscheinentzug + mind. 6 Monate Alternatives Bewährungssystem

1,2 bis 1,59 Promille

€ 1.200 bis
€ 4.400

Nachschulung

mind. 4 Monate

2 Monate Führerscheinentzug + mind. 6 Monate Alternatives Bewährungssystem

ab 1,6 Promille oder Verweigerung der Kontrolle€ 1.600 bis
€ 5.900
Nachschulung, Verkehrspsychologische Untersuchung, amtsärztliche Untersuchungmind. 6 Monate

3 Monate Führerscheinentzug + mind. 6 Monate Alternatives Bewährungssystem

*die Behörde kann bei Bedarf weitere Maßnahmen anordnen

Plädoyer an die Eigenverantwortung

Das Alternative Bewährungssystem nach einem Führerscheinentzug bietet die Möglichkeit, mobil zu bleiben. Die Folgen eines durch einen alkoholisierten Lenker verursachten Unfalls können jedoch in jedem Fall nicht nur für den Fahrer selbst, sondern auch für andere Verkehrsteilnehmer fatal sein.

Deshalb gilt: Denken Sie beim nächsten Glas Wein oder Bier an Ihre eigene und die Sicherheit der anderen und verzichten Sie auf Alkohol am Steuer!

Weiterführende Informationen zum Alternativen Bewährungssystem finden Sie unter www.alkohol-wegfahrsperre.at.

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